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Navigation: Geschichten von Caro und Trolli Caro's maritime Kinderecke Das Weihnachtsmärchen 2006
Weihnachten im Altrhein
Man könnte sie leicht mit einem Frosch verwechseln. Aber natürlich nur, wenn man nicht ganz genau hinsieht. Seline, die kleine Flussnymphe war nicht größer als ein Daumen. Trotz ihrer Entenfüßchen war sie wieselflink, als sie schnell über Caros kleine Sandinsel tappte und sich auf einen runden Kieselstein hockte. „Wie ruhig es jetzt hier ist.“, dachte sie traurig. „Wie schön war es doch im Sommer, als Caro und Trolli auf der kleinen Insel Burgen aus Sand bauten oder mit anderen Kindern zusammen Pirat und Prinzessin spielten.“ Und wieder seufzte sie ….. und wieder…… und wieder….... „Was soll denn dieses Geschluchze?“, sagte plötzlich eine strenge Stimme neben ihr. „Hast du alle deine Aufgaben heute schon erledigt?“, fragte der alte Vater Rhein streng. „Oder fehlt es dir an Arbeit?“ „Ach Vater“, murmelte die kleine Seline. „Die Menschen haben es gut. Im Sommer können sie mit ihren Booten in den Altrhein fahren. Sie schwimmen und lachen. Sie trinken und essen leckere Sachen. Wenn es kalt wird, haben sie eine warme Stube und jetzt ist eine ganz besondere Zeit für die Menschen. Weihnachten! Ich habe einmal heimlich gelauscht, als Caro ihrem kleinen gelben Gummiboot davon erzählte.“ Und wieder stieß sie einen abgrundtiefen Seufzer aus, der so tief war, dass sogar der alte Vater Rhein ganz traurig wurde. „Ja, Kindchen.“, sagte er. „Das ist eine schöne Zeit für die Menschen. Überall werden jetzt Lichter aufgehängt und die Tannenbäume werden geschmückt. Es gibt Weihnachtsmärkte mit Musik. Und wenn Frau Holle es schneien lässt, dann halten die Menschen Becher mit ganz heißen Getränken an ihre Wangen und ihre Augen funkeln genauso wie die Lichter um sie herum.“ Jetzt seufzte auch der alte Vater Rhein. In Mainz, da fließt er immer an einem Weihnachtsmarkt vorbei und wenn von der gegenüberliegenden Seite die Wasserfrauen des Mains zu Besuch kommen, dann erzählen auch sie von dem wunderbaren Weihnachtsmarkt in Frankfurt. „Ja, du hast recht, Seline, warum sollen nur die Menschen Weihnachten feiern?“ Vater Rhein nickte mit seinem weisen Haupt. „Aber wie können wir das nur machen, Vater?“, fragte die kleine Nymphe hoffnungsvoll und gespannt? „Wenn Caro mit Trolli da wäre, ja, dann könnten wir sie fragen. Die haben immer gute Ideen. Doch die sind ja ganz weit weg.“ „Hm, hm!“, überlegte Vater Rhein. „Da werden wir ihnen wohl eine Nachricht schicken müssen.“ Und ganz laut rief er nach seiner Freundin, der Regen-Trude. „Was schreit ihr denn nach mir?“, wollte sie noch ein bisschen verschlafen wissen. „Soll ich schon wieder abregnen? Hast du nicht mehr genug Wasser, Vater Rhein?“
„Nein Trude!“, antwortete der alte Vater Rhein und schüttelte erneut sein weises Haupt. Dann fuhr er fort: „Bitte schicke eines deiner Kinder zu Caro und Trolli. Wir brauchen ihre Hilfe, denn wir wollen in diesem Jahr auch Weihnachten feiern, genauso wie die Menschen.“
Und so kam es, dass ein kleiner Regentropfen ganz früh am Morgen zaghaft an Caros Kinderzimmerfenster klopfte. „Es regnet schon wieder!“, sagte Caro zu ihrer Puppe Klara. „Wenn doch nur dieser blöde Winter endlich vorbei wäre und wir wieder in den Altrhein fahren könnten.“ „Was jammerst du denn rum?“, knurrte der alte verwaschene Teddybär. „Ich denke du freust dich wie verrückt aufs Christkind!“ „Klar, das mach ich auch. Weihnachten ist doch ein tolles Fest. Da gibt es viele Geschenke und alle haben einen wunderbaren Weihnachtsbaum im Wohnzimmer. Und mein Opa, der macht den allerallerallerbesten Nachtisch der Welt. Den gibt's nur an Heiligabend. Aber trotzdem! Mit Trolli auf der Sandinsel spielen, das ist noch viel, viel besser.“ „Du bist einfach ein undankbares Gör!“, knurrte der alte verwaschene Teddy ungehalten. „Das hab ich schon immer gesagt.“ „Du, Teddy!“, drohte Caro mit erhobenen Zeigefinger. „Du weißt doch, was wir vereinbart haben? Wenn du weiter frech zu mir bist, dann kommst du ganz hinten in meine Krempelkiste.“ Wieder klopfte es zaghaft an Caros Kinderzimmerfenster. Und weil sie sich über den alten verwaschenen Teddy mit dem ausgefransten Arm geärgert hatte, hatte sie jetzt auch keine richtige Lust mehr, weiter mit ihren Puppen zu spielen. Schmollend presste sie ihre kleine Nase an die Scheibe. Mama sah das natürlich gar nicht gerne, wegen des Flecks, der dann immer an der Scheibe war. Aber das war Caro jetzt egal. „Klopf!“, machte es. „Klopf!“. Woher mochte das kommen? Als Caro die Scheibe nach dem Geräusch absuchte, da sah sie einen kleinen glitzernden Regentropfen, der sich ganz fest an die Scheibe klammerte. „Na endlich!“, sagte er, als er sah, dass Caro ganz verdutzt schaute. „Ich dachte schon, du hörst mich nie mehr.“ Caro fuhr mit ihrem kleinen Finger von innen über die Scheibe, doch der Regentropfen rührte sich nicht. „Was willst du denn, kleiner Regentropfen?“, fragte sie. „Ist dir auch langweilig?“ „Hör mir jetzt mal genau zu!“, bat der kleine Tropf eindringlich. „Ich weiß ja nicht, wie lange ich mich noch an der Scheibe halten kann. Ich habe eine wichtige Nachricht für dich. Der alte Vater Rhein lässt dir ausrichten, dass er und seine Kinder in diesem Jahr auch Weihnachten feiern wollen.“ „Und wie kann ich da helfen?“, fragte Caro verwundert. „Na, das weiß ich doch nicht“. Der Tropf schüttelte so heftig den Kopf, dass er schier von der Scheibe gekullert wäre. „Vater Rhein hat gesagt dir und Trolli würde schon was einfallen. Und Seline, die kleine Wassernymphe hat dazu genickt.“ Kaum waren die Worte ausgesprochen, da kullerte der kleine Tropfen auch schon an der Scheibe herunter und war verschwunden. Caro riss das Fenster auf und versuchte den kleinen Tropf zu fangen, aber es war vergeblich. Er floss schon mit vielen anderen Tröpfchen über den Hof und verschwand in der Erde. „Na, das ist ja eine schöne Bescherung!“, sagte Caro verdrossen. „Jetzt ist er einfach weg und ich kann ihn überhaupt nichts mehr fragen. Wie soll ich denn Vater Rhein helfen, Weihnachten zu feiern?“ „Frag doch einfach mal Trolli!“, knurrte der alte verwaschene Teddy. „Der ist doch sowieso schlauer als du!“ Caro warf ihm einen ärgerlichen Blick zu. Doch leider musste sie zugeben, dass er mal wieder Recht hatte. Sie stapfte in den Keller, holte sich einen Stuhl, damit sie an den Schalter kam und machte Licht. Trolli blinzelte ein bisschen verschlafen. Aber er freute sich wie verrückt, wenn Caro ihn besuchen kam. „Trolli, stell dir nur vor: Eben hat ein Wassertröpfchen an mein Fenster geklopft und mir etwas vom Vater Rhein ausgerichtet.“ „Und was sollte das wohl sein?“, fragte Trolli neugierig, denn vom alten Fluss erhielt man nicht jeden Tag eine Nachricht. „Der Rhein und seine Kinder wollen in diesem Jahr auch Weihnachten feiern und wir beide müssen ihnen dabei helfen!“ Caro war ganz atemlos, so schnell sprudelte sie die Worte heraus. „Oje, Caro, das ist aber eine schwere Aufgabe!“, Trolli wackelte ein bisschen mit seiner roten Knollennase. „Wie sollen wir das bloß machen. Ich hier im Keller, du im Haus. Ohne Hilfe von deinem Papa oder dem Opa?“ „Mit der Fandango von Papa können wir nicht fahren, die liegt schon im Winterlager in der großen Halle! Ich glaube, da haben wir ganz schlechte Karten.“ „Opa!“, rief Caro und klatschte in die Hände. „Ja, Opa werde ich fragen. Der weiß immer einen Rat.“ Und mit einem „Tschüß Trolli!“ rannte sie schon zur Treppe. „Oma!“, flüsterte Caro ins Telefon. „Ist der Opa da?“ „Hallo!“, rief die Oma. „Caro, bist du das? Warum flüsterst du denn so?“ „Oma, psst, nicht so laut. Nicht dass Papa und Mama aufwachen. Ich muss unbedingt den Opa sprechen!“ „Na“, lachte die Oma. „Da wollt ihr zwei ja wohl wieder was aushecken.“ Und sie reichte den Hörer an Opa weiter. „Opa, stell dir nur mal vor“, sagte Caro immer noch aufgeregt. „ein Wassertropfen hat mich besucht und mir eine Nachricht gebracht.“ Caro wusste genau, dass der Opa jetzt schmunzelte, aber er hörte ihr auch weiter geduldig zu. „Also, er hat gesagt, dass der Vater Rhein auch Weihnachten feiern will und wir müssen ihm dabei helfen.“ Opa schien ein bisschen erkältet zu sein, denn er hatte so einen eigenartigen Husten. „Aha!“, sagte er dann. „Und wie stellst du dir das vor, Caro?“ „Na ja!“, meinte Caro jetzt ein bisschen verlegen. „Ich habe eigentlich gedacht, dass dir etwas einfällt.“ Es war eine ganze Weile still am Telefon. Dann lachte der Opa plötzlich. „Caro“, sagte er. „Weißt du was? Das ist eine prima Idee! Wir machen mit allen Freunden eine richtig tolle Adventsfeier im Altrhein.“ Und wieder lachte er. Allen Bootfahrern war doch im Winter richtig langweilig, und jeder sehnte sich danach wieder aufs Boot zu können. Er würde alle Freunde zusammentrommeln und auf sein Schiff, die Tortuga, einladen. Dann würden sie in den Altarm des Flusses fahren und dort gemeinsam mit Vater Rhein eine richtige Weihnachtsparty machen.
Uns so kam es, dass sich einige Tage später viele Bootfahrer dick vermummt auf Tortugas Achterdeck versammelten. Oma brachte dampfende Becher mit Glühwein für die Großen und Kakao für die Kinder. Vorne auf Tortugas Bugreling wurde ein kleiner Weihnachtsbaum befestigt. Und als sie hinter der Insel den Anker fallen ließen, brachte Oma noch einen Riesenpott mit Linsensuppe und Würstchen. Die Leute freuten sich. Sie sangen fröhliche Weihnachtslieder, vom Tannenbaum und vom Nikolaus. Und als es ein bisschen später wurde, da sangen sie auch vom alten Vater Rhein. „Alex!“, sagten sie zu Caros Opa. „Das war eine super Idee von dir. Und wenn du es jetzt noch schneien lässt, dann wäre das die Krönung unserer Feier.“ Caros Opa lachte nur. „Für Wunder ist unsere Caro zuständig!“, sagte er. „Doch ich glaube, dass nicht mal Caro es schafft, dass es jetzt plötzlich schneit.“ Da fiel ein kleines Schneeflöckchen vom Himmel. Erst eines, dann zwei, dann immer mehr. Sie blieben als funkelnde Kristalle in den Bäumen hängen und schmückten sie schöner als jede Weihnachtskugel. „Schön! Ach, wie schön!“, sagte die kleine Seline zu Vater Rhein. „Was für ein wunderbares Fest mit den Menschen und schau nur, wie sie sich freuen, dass Frau Holle es jetzt schneien lässt.“ Schließlich wurde es dunkel, und Opa startete Tortugas Motor. Die Feier ging nun zu Ende und man musste sich auf den Heimweg machen. „Auf Wieder sehen!“, sagte der alte Vater Rhein zu dem Schiff mit den Menschen. "Wir freuen uns schon alle darauf, euch im Frühling wieder zu sehen.“
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