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Besanšon


Gerne würden wir noch mal einen Tag im Busch einschieben und das wieder sonnige Wetter genießen, bevor wir in Besanšon etwas Kultur tanken, doch die Liegeplätze im Doubs sind rar und die wenigen auch noch von ganzen Schwärmen von Engländern belagert.

Bereits morgens um 9 laufen wir vor unserer ersten Schleuse einem Engländer auf, der die größten Probleme hat in die Schleuse rein zu manövrieren und die Taue auszubringen. Bei der affenartigen Geschwindigkeit mit der die Automatikschleusen neuerdings arbeiten, stehen wir bereits mittags mit 6 Booten vor jeder Schleuse und warten bis wir dran sind.
Manfreds Stimmung fällt ins Uferlose: "Ich wollte durch den Doubs fahren, nicht stundenlang vor den Schleusen rumdümpeln."
Ich schiebe es seiner schlechten Laune zu und höre einfach nicht mehr richtig hin, als er rummault, dass er Bedenken habe, dass bei dem gewaltigen Zug auf die Taue seine Achtertaue zu dünn und zu alt und zu unzuverlässig und zu was weiß ich noch alles sind.
Er kramt Taue raus, an die man locker die "MS Berlin" hängen könnte. Als wir endlich nach einer halben Stunde Wartezeit in die letzte Schleuse vor Besanšon einfahren, bin ich von seinem Geschimpfe mindestens so genervt wie er.
In den Schleusenwänden sind meterbreite Einbuchtungen in denen unsere Fender verschwinden, ich weiß eigentlich nicht so Recht, wo ich zuerst abhalten soll.
Das Wasser schießt wieder mit Urgewalt in die Schleuse, mit einem scharfen Knall wie ein Pistolenschuss reißt mein Tau und fliegt mir um die Ohren. Das Schiff knallt an die andere Schleusenwand.
Doch die Fender sitzen glücklicherweise gut, es passiert nichts.
Zu allem Überfluss liegt auch noch am einzigen Steiger nach der Schleuse ein Amerikaner mit einem umgebauten "Luxemotor". Wir umrunden die Stadt, nehmen la Boucle du Doubs, die Schleife. Um die wunderschönen Patrizierhäuser und Quadersteinbauten zu bewundern sind wir zu genervt.
Der Hafen ist knallvoll, kein Platz mehr für uns. Wir fahren zurück, hängen uns an die Mauer vor dem Ami. Ich schreibe es Manfreds stinkiger Laune zu, als er schon wieder mault: "Ich habe kein gutes Gefühl das Schiff hier alleine zu lassen. Bei unserem Glück kommt bestimmt ein Hotelboot wenn wir weg sind und will dahin."
Nur mit Mühe gelingt es mir nicht die Augen zu verdrehen bei seiner ständigen Unkerei: "Hier ist kein reservierter Platz, also reg dich ab."
Manchmal legt er eine patriarchalische Simplizität an den Tag für die ich ihm den Hals umdrehen könnte.

Nach 6 Stunden Besichtigung kommen wir von der Zitadelle zurück. Obwohl unsere beiden Boote ohne Abstand hintereinander gelegen sind, liegt zwischen uns eine Hotelpenische, hat unsere Boote einfach verhängt. Am nächsten Tag soll noch eine kommen
. Der Amerikaner muss weg, wir auch.
Eigentlich ist es eine Frechheit, die Hotelboote führen sich auf als hätten sie die Kanäle gepachtet.
Nun, der Kleinere muss nachgeben und das sind in dem Fall halt wir.
Der Himmel hängt voller Geigen, viele davon sind Bassgeigen, die meisten aber Arschgeigen.
Fußabstreifertag hin oder her, diesmal haben wir Glück und bekommen für beide Boote einen Platz im Hafen.

Siehe ž 1.





Eine fast völlig in den Doubs eingekuschelte Landzunge war schon für die Gallier und Römer ein Grund sich hier niederzulassen.

Im Altertum hieß diese strategisch wichtige Lage Vesontio, später wurde daraus die freie Reichsstadt Bisanz und noch später Besanšon, die Hauptstadt der Freigrafschaft Burgund, der Franche-Comté.

Vauban machte durch seine Zitadelle Besanšon zu einer uneinnehmbaren Festung. 118 m hoch auf einem Felsen thront die Zitadelle über dem Tunnel, der die beiden Arme des Doubs verbindet.

Heute beherbergt sie mehrere Museen, einen Zoo und diverse Ausstellungen. Von unten wie oben ein beeindruckender Gebäude- und Mauernkomplex.

Victor Hugo, der "Goethe" der Franzosen wurde vor 200 Jahren hier geboren.
Ein Zauberer der Sprache, dem wir den " Glöckner von Notre Dame" und "Les Miserables" verdanken, aber auch viele Gedichte, ein Buch über den Rhein in Briefform und Kampflieder gegen Kaiser Napoleon III. Viele Jahre verbrachte er im Exil und kam erst nach Frankreich zurück als die 3. Republik ausgerufen wurde. Als er 1885 starb erhielt er ein Staatsbegräbnis, ein Fest halb Heiligsprechung, halb Massenorgie, und zwei Millionen Menschen riefen: "Es lebe Victor Hugo."

In Besanšon wurde noch ein, wenn auch nicht ganz so bekannter Dichter geboren, Tristan Bernard. Auf seinen Geburtsort angesprochen sagte er einmal: "Ich bin in Besanšon geboren, in der gleichen Straße wie Victor Hugo. Er kam im Haus Nr. 138 zur Welt, ich ein paar Nummern kleiner, im Haus Nr. 23. An seinem Geburtshaus ist eine Gedenktafel, an meinem auch, und zwar die der städtischen Gaswerke!" Darauf reagiert die Stadtverwaltung prompt mit einer Geste ausgleichender Gerechtigkeit. Auch Tristan Bernard hat heute eine Gedenktafel an seinem Geburtshaus.

Letztes Jahr war die halbe Stadt eingerüstet, die alten Häuser wurden abgewaschen, in der Stadt herrschte Chaos. Heute sind die Gerüste verschwunden, die ganze Stadt strahlt in zarten Grau-Tönen, man kann die Schönheit der einzelnen Patrizierhäuser wieder erkennen.
Letztes Jahr sind wir noch in der alten schäbigen Markthalle gewesen, heute ist die neue Markthalle eröffnet. Alles strahlt und blitzt vor silbernem Chrom. Natürlich treibt die Gier teichgroße Pfützen auf meine Zunge, doch den Flair, die Gemütlichkeit, das Heimelige und Althergebrachte, das findet man hier nicht mehr.

Was in erstaunlicher Vielfalt angeboten wird sind Kartoffeln. Alle Größen, Formen und Farben, vom zarten hellgelb bis dunklem rot.

In Frankreich werden Zubereitungen mit Kartoffeln oft mit dem Namen "Parmentier" versehen. Augustin Parmentier war Militärapotheker und Agronom. Anlässlich eines Wettbewerbs der Akademie von Besanšon in Jahre 1772, der zum Zwecke der Entdeckung von lebenswichtigen Lebensmitteln in Falle von Hungersnöten ausgeschrieben wurde, empfahl er die Kartoffel und wurde damit Sieger. Im Siebenjährigen Krieg war Parmentier Kriegsgefangener in Westfahlen und lernte dort die Kartoffel kennen und schätzen. Er förderte den Anbau der Kartoffel in ganz Frankreich und ein Kartoffelpfannkuchen erhielt zu seiner Ehre den Namen "Crepes Parmertier".


Sehr simpel nachzukochen:
500 gr. Pellkartoffeln noch warm schälen und stampfen. 2-3 Tassen heiße Milch zufügen, mischen und abkühlen lassen. Dann 3 EL Sahne, 6 Eier und 3 EL Mehl zugeben. Mit Salz, Pfeffer und Muskat würzen. 30 Minuten ruhen lassen. Der Teig sollte leicht flüssig sein. In heißem Butterschmalz kleine Pfannkuchen backen. Lecker sind auch feingehackter Schinken oder Speck oder Zwiebel in den Teig gemischt.

Womit ich wieder mal beim essen wäre.

In Besanšon trennen wir uns endgültig von Jan und John.
Manfred braucht seinen Meisterbrief nicht zurückzugeben. Der Motor der Arjo ist außer am 2. Zylinder wieder undicht und John wird langsam nach St. Jean de Losne zurückfahren um die gleiche Arbeit noch einmal zu machen.
Sein Mangel an Begeisterung ist nicht zu übersehen. Er ist mit vielen schlauen Ratschlägen und Ermahnungen versehen.
Diesmal wird es bestimmt klappen.

Wir aber setzen unseren Weg durch den Doubs Richtung Heimat fort. Ein bisschen traurig sind wir schon, wir hatten eine schöne gemeinsame Zeit. Die meisten Menschen verdunsten einem wie ein Wassertropfen in der flachen Hand. Diese beiden sind anders, Kumpels, wie man sie selten findet.

Zum Abschied nehmen sie natürlich unseren Hausspruch mit:

Wer Wasser sauft und Weiber ehrt
ist keinen roten Heller wert.
Wies Schubkarrnrad knarzt unsere Seel,
ein Schnaps wär da das rechte Oel.
Drum schalts bei uns durchs Ruderhaus
schenk ein - sauf aus - schenk ein - sauf aus

Erstaunlicherweise funktioniert unser elektronischer Drücker bei den alten Automatikschleusen ganz ordentlich. Vielleicht liegt es aber auch nur daran, dass nicht ein einziges Bumsboot und außer einem englischen Katamaran keine Boote mehr unterwegs sind.





Hohe Felswände, dichte Laubwälder, wild-romantische Schluchten, wir schippern durch einen aufregenden Teil des Doubs bis Baume-les- Dames.