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Vom Fische fangen


Die Geschichte des Fischfangs ist so alt wie die der Menschen.

Die größte Fläche unseres Planeten wird vom Wasser beherrscht.
Deshalb bot sich der Fisch als Nahrungsquelle des frühen Steinzeit-Menschen an. Die Menschen siedelten sich bevorzugt an Bächen, Flüssen und Seen und den Ufern der Meere an. Sie lebten dort in Felshöhlen, bauten primitive Flöße, die an den Ufern verankert waren und später durch fast komfortable Pfahlbauten ersetzt wurden. Sie waren nicht dumm, unsere Vorfahren. Diese Art des Wohnens schützte sie vor vielen Gefahren durch Räuber und wilde Tiere. Und sie waren ihrem Hauptnahrungslieferanten sehr nahe.
Der moderne Mensch hat riesige Halden von Nahrungsabfällen seiner Vorfahren ausgegraben und konnte so auch die Fische identifizieren, die damals verspeist wurden.

In Nordeuropa, Frankreich und Spanien fand man allerlei Fischereigeräte, wie Angelhaken aus Elch und Hirschknochen und Harpunen aus Flintstein ohne Widerhaken. Erst gegen Ende der Altsteinzeit, um 10.000 v. Ch. erhielten die Harpunen Widerhaken.
Um 7.000 v.Chr. wurden die Reusen erfunden. Konisch geflochtene 4 m lange und 90 cm breite Weidenkörbe. Sie sind an einem Ende geschlossen, am anderen Ende befindet sich ein kleiner Zugang, durch den die Fische zwar in den Korb rein, aber nicht mehr rausschlüpfen können. Mit Ködern versehen wurden die Reusen im Röhricht versenkt und brachten beim Fischreichtum der damaligen Zeit reichlich Nahrung aufs Feuer.
In der Mittelsteinzeit begannen die Menschen mit dem Bau von Booten. Mit denen trauten sie sich dann auch in die Küstenregionen der Meere. Das war die Zeit in der frei bewegliche Netze erfunden wurden, die auch als Zugnetze hinter den Booten hergezogen werden konnten. Angeln mit Widerhaken kamen erst in der Bronzezeit auf.

Im Land der Pharaonen fingen die Uferbewohner im Nil und seinem verzweigten Flussdelta alle möglichen leckeren Fische, besonders Aale, Welse, Meeräschen und den Nilbarsch, der heute noch der Liebling der ägyptischen Küche ist. Natürlich benutzten die alten Ägypter ausgeklügelte Fangwerkzeuge. Sie beschwerten Netze aus Leinengarnen mit Bleigewichten, benutzten Ruten und Angeln, sowie Reusen aus Weiden. Mit Keschern fingen sie kleine Fische. Als bester Köder für den Nilbarsch galten Lotusblüten.

Noch raffinierter gingen die alten Griechen den Fischen ans Leder.

Homer beschrieb es so:
"Erfreut über die harzige Flamme der Kiefer, sprangen die Fische um das Boot herum, um dieses verhängnisvolle Abendlicht zu sehen, und boten ihre Körper den Hieben eines erbarmungslosen Tridenten dar."

Das Lichtfischen wird auch heute noch im gesamten Mittelmeerraum praktiziert. Sogar vom Ufer aus kann man die auf den Wellen tanzenden Lichter der Boote beobachten.

Fisch wurde im antiken Griechenland reichlich verzehrt. Was nicht frisch verbraucht wurde, wanderte eingepökelt oder getrocknet in die Vorratskammern oder wurde im Landesinneren verkauft.
Fisch war so beliebt, dass es sich die feinen Herrschaften Athens nicht nehmen ließen, ihren Fisch höchstpersönlich auf dem Markt zu kaufen.

Ach, die alten Römer, sie dürfen natürlich in dieser Aufzählung nicht fehlen, waren sie doch geradezu versessen auf Fisch und Meeresfrüchte.
Reiche Römer ließen sich die lebenden Fische in Wassereimern von der Küste durch Sklaven bis nach Rom bringen, nur um ihren Gästen den noch zappelten Hochgenuss präsentieren zu können. Bekannt für ihre Geschäftstüchtigkeit und ihren Erfindungsreichtum, schließlich war es ein römischer Kaiser der uns die Steuern bescherte, erfanden die Römer das erste Fischbassin. Sie legten große Fischteiche an und züchteten außer Fisch auch Austern und Miesmuscheln. Die Überlieferung erzählt, dass sich in Rom ein großes Kaufhaus befand, das im 5. Stockwerk in Aquarien gehaltene Meer- und Süßwasserfische zum Verkauf anbot.

Es existieren noch Rezepte des Feinschmeckers Apicius (25 v.Chr.), der Fische wie heute gebraten, gedünstet oder gekocht hat.
Sie wurden mit herzhaften Soßen aus Olivenöl, Pfeffer, Honig, Liebstöckel, Selleriesamen, Kümmel und Wein serviert. Tintenfische beliebte man zu füllen, Langusten zu kochen und zu grillen und Austern mit einer würzigen Remoulade zu genießen.
Allerdings hatten die Römer eine Würzsoße als Salzersatz, die wohl heute nicht mehr unseren Geschmack treffen würde. "Liquamen" war eine streng riechende Soße, die aus verfaultem Fisch hergestellt wurde. Sie war bei den Römern so beliebt, dass man sie ruhig als das Ketchup des Altertums bezeichnen kann.

Wir essen heute noch genauso gerne Fisch, doch die Fangmethoden haben sich sehr geändert. Wir zivilisierten, kultivierten Menschen haben Fang- und Tötungsmethoden ausgetüftelt, gegen die keine Kreatur auch nur die kleinste Chance hat.

Systematisch betreiben wir Hochseefischerei, bis die Meere ausgeräubert sind. Nur um den überschüssigen Fang edler Fische zu Hühnerfutter zu verarbeiten.
Es gibt kaum einen Fluss, See oder Bach, an dem man nicht einen Angler sitzen sieht. Mich stört an der Angelei am meisten, dass die wenigsten Angler die Fische die sie fangen auch essen.
Das Viehzeug wird halb tot ins Wasser zurückgeworfen und dient eigentlich nur der Freizeitbelustigung. Wenn der Fisch den Angelhaken schluckt, bohrt er sich tief in dessen Oberkiefer und wird brutal wieder herausgerissen, das tut dem kleinen Fisch überhaupt nicht weh.
Nur komisch, warum dann das Gekreische, wenn so ein kleines Häkchen mal einem Angler im Finger steckt?

In Souppes sur Loing hat man sein Herz für Bootsfahrer entdeckt. Ein ganz neuer Anleger mit Strom und Wasser lädt zum Verweilen ein. Bereits kurz nach dem Anlegen werden wir persönlich begrüßt und willkommen geheißen. Wir sollen so lange bleiben wie wir wollen. Alles ohne Gebühren. Sofort schlägt unser Herz für den romantischen kleinen Ort.



Die Loing schlängelt sich durchs Dorf mit kleinen Wasserläufen, an einem alten Waschhaus vorbei, durch Hinterhöfe und ehemalige Mühlen. Viele kleine Wasserfälle runden das romantische Bild ab.

1773 hielt die Industrialisierung Einzug in Souppes. Flachs wurde bearbeitet, der durch die schnellfließenden Wasser der Loing eine besonders gute Qualität hatte. Während der Revolution wurde eine Papiermühle hier gebaut und 1873 kam eine Zuckerfabrik dazu. Beide sind heute noch in Betrieb, allerdings stark modernisiert. Neben der Zuckerraffinerie liegen wir zur Zeit, doch glücklicherweise arbeitet sie nur von September bis Frühjahr. Eben in der Zeit, in welcher die Zuckerrüben geerntet und angeliefert werden. Dann ist sicher auch auf dem Kanal Hochbetrieb.
Aber!! Der wahre Schatz von Souppes sind Steine. Eine 35 Millionen Jahre alte Gesteinsformation zieht sich durchs Tal und wird schon seit einigen hundert Jahren abgebaut. Die Steine des Arc de Triomphe kommen genauso von hier, wie die Steine der Kirche Sacré Cur und auch die Statue der Schutzheiligen von Paris St. Geneviève und die Pont de la Tournelle von Paris wurden aus Steinen vom Tal der Loing und der Umgebung von Souppes gemacht.

Ein Wahlspruch der Einwohner von Souppes: Die wichtigsten Dinge sollte man mit dem Herzen sehen, weil man sie mit den Augen nicht sehen kann.

So ein gastlicher Anleger füllt sich schnell mit Booten aller Nationalitäten. Und einige davon sind alte Bekannte, die man immer wieder trifft.